Lernen findet immer statt

 

Eines ist klar und darin sind sich auch die meisten Hundehalter einig: Erziehung ist ein wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche Mensch-Hund-Beziehung. Ebenso wie der vierbeinige Freund dabei die Regeln des Zusammenlebens mit seinem Menschen erlernen muss, gilt es allerdings auch für den Zweibeiner, die Körpersprache seines Hundes richtig zu deuten, um von vorneherein Missverstände zu vermeiden und dabei spielt das richtige Loben des Vierbeiners eine ebenso wichtige Rolle.

 

Ein zusätzliches Lob in Form eines motivierenden Wortes, als Extraportion Streicheleinheiten oder eines schmackhaften Leckerlis ist für den Hund das Allergrößte, denn der Vierbeiner nimmt das Lob als Bestätigung an, dass er etwas besonders gut gemacht hat.

 

Wie Hunde lernen

 

Als wahre Weltmeister im Beobachten, lernen Hunde ein Leben lang und entwickeln ein sehr feines Gespür für die Stimmungslage ihres Menschen. Ebenso registrieren sie genau die Körperhaltung und -gerüche ihres zweibeinigen Freundes. Ereignisse können sie miteinander verknüpfen, wenn diese nahezu zeitgleich passieren, d. h. das unmittelbare Aufeinanderfolgen zweier Aktionen ist extrem wichtig, um eine Assoziation zu etablieren. Nur so kann der Vierbeiner Zusammenhänge erlernen. Am Beispiel des Kommandos „Sitz“ lässt sich dieses Assoziationslernen leicht deutlich machen: Damit der Hund versteht, warum es lohnenswert ist, sich auf Befehl zu setzen, muss unmittelbar nachdem das Hinterteil des Hundes den Boden berührt hat, das Lob in Form einer Belohnung erfolgen. Die Verknüpfungszeit, die das Tier mit dem gerade gezeigten Verhalten verbindet, beträgt ca. eine halbe Sekunde.

 

Positive Verstärkung

 

Wer seinem Hund zeigt, dass es sich lohnt, das vom Menschen gewünschte Verhalten zu zeigen, wird schnell erkennen, dass der Vierbeiner diese Tätigkeit häufiger ausführen wird. Je häufiger dieses positive Verhalten trainiert wird, desto besser erlernt der Hund, sich wie gewünscht zu benehmen. Zwei Arten der positiven Verstärkung sind der primäre und der sekundäre Verstärker. Während der primäre Verstärker eine biologische Funktion erfüllt – alles was beim Hund ein gutes Gefühl auslöst, beispielsweise der Anblick von Futter – hat der sekundäre Verstärker, wie das Lob, einen sozialen Kontext. Vereinfacht ausgedrückt: Der Hund muss beim Anblick von Futter oder Leckerlis nicht erst lernen, dass es eine begehrenswerte Sache. Für ein Lob muss er allerdings erst begreifen, dass ein gewünschtes Verhalten erstrebenswert ist und damit etwas Positives verbunden wird.

 

Verschiedene Arten der Motivation

 

Unterschiede gibt es auch bei der Art der Motivation. Wer seinen Hund für ein gewünschtes Verhalten belohnen möchte, muss wissen, welche Art von Belohnung er auch wirklich mag, denn während die einen Leckerchen als Motor zum Lernen bevorzugen, sind für die anderen ein Ballspiel oder entsprechende Streicheleinheiten am Tollsten.

 

Doch noch etwas ist entscheidend, geht es darum seinem treuen Freund wichtige Erziehungslektionen auf spielerische Art und Weise zu vermitteln. Neben Futter und Spieleinlagen ist es vor allem die Stimme, mit der ein Hundebesitzer bei seinem Liebling viel erreichen kann. Dabei spielen die Inhalte der Worte keine Rolle. Viel wichtiger für den Hund sind Körpersprache und Stimmung von Herrchen oder Frauchen. Wer schreit, erzeugt nur unnötigen Druck und ein schlechtes Gefühl bei den Vierbeinern. Deshalb sollten Tierhalter in allen Situationen möglichst fröhlich und gerecht bleiben, auch wenn die Ansagen ebenso konsequent wie klar sein müssen. So verliert der Hund niemals den Spaß oder seine Motivation.

 

Körperliche Form der Belobigung

 

Auch die Anerkennung ohne Worte und Leckerchen erzeugen beim Hund aufgrund seines ausgeprägten sozialen Verhaltens eine emotionale Bestätigung. Aber auch hierbei können einige Fehler gemacht werden, die beim Vierbeiner nicht wirklich gut ankommen. Während der Mensch das Schulterklopfen als eine Form der Anerkennung versteht, kann es beim Hund grundlegend falsch aufgenommen werden. Ein kräftiges Schlagen auf den seitlichen Brustkorb oder auf den Kopf ist kein Lob, sondern eine ungewollte und unangenehme Aktion für das Tier. Empfehlenswert ist dagegen das Kraulen an Stellen, die der Hund besonders liebt, beispielsweise hinter den Ohren, auf dem Rücken oder unter der Schnauze.

 

Soziale Bindung

 

Damit ein Lob funktionieren kann, ist eine starke und soziale Bindung zwischen Mensch und Hund sehr wichtig. Dabei muss der Zweibeiner immer als Führungspersönlichkeit in Form des Rudelführers auftreten. Allerdings nicht zu streng oder gar aggressiv. Viel angebrachter ist ein liebevoller Umgang mit dem treuen Freund. Jedoch darf die vorgegebene Richtung nicht verlassen werden und der Vierbeiner muss sich stets am Hundebesitzer orientieren. Das geht nur über Authentizität und Verlässlichkeit auf Seiten des Menschen. In dieser Konstellation ist die Motivation des Hundes sehr groß, auch in kritischen Situationen zu gehorchen.

 

Grundlage einer vertrauensvollen und erfolgreichen Erziehung ist, zu wissen, wie der vierbeinige Schützling dazu gebracht wird, etwas zu tun, was uns Menschen wichtig erscheint. Und zwar immer dann, wenn wir Menschen das wollen. Denn lohnt sich etwas, tuen es Lebewesen immer wieder erneut. Lohnt es sich nicht, wird schnell davon abgelassen. Für Hunde lohnt es sich oft, Spuren zu erschnüffeln, mit anderen Hunden zu spielen, natürlich tolle Leckerchen zu fressen oder einfach mal wie verrückt über die Wiese zu rasen. Diese Dinge gilt es einzusetzen. Vor allem aber gilt es, Freude am Hund und Spaß am gemeinsamen Lernen und Leben zu haben. Denn dies ist das Wichtigste in einer Partnerschaft. Der Rest kommt dann oft von ganz allein.