Für Andere ist es purer Ekel, aber für Hundeliebhaber ein Zeichen der Zuneigung. Schlabbern und Lecken über Gesicht oder Hände der Zweibeiner, sorgt für die unterschiedlichsten Reaktionen bei uns Menschen.

Der durchaus nasse Hundekuss zur Begrüßung ist wohl allen bekannt, wird aber unterschiedlich aufgenommen. Die einen ekeln sich und würden sich am liebsten das Gesicht waschen, für andere dagegen gehört dieses Ritual einfach dazu. Doch woher kommt dieses Verhalten und was hat es wirklich zu bedeuten? Um das zu verstehen, müssen wir einmal einen Blick in die jungen Jahre unserer Vierbeiner werfen.

Einblick in die Kinderstube

Das Ganze beginnt schon unmittelbar nach der Geburt, wenn die Welpen von ihrer Mutter trockengeleckt werden. Es dient natürlich zum einen der Körperpflege aber dabei bleibt es nicht! Das Lecken wird zu einem festen Ritual und stärkt somit die Beziehung zwischen der Mutter und ihren Neugeborenen. Nach dem die Welpen bei ihrer Mutter trinken bekommen haben, werden sie abgeleckt. Hier kommt der dritte Vorteil des Ableckens zum Vorschein. Denn es sorgt ebenfalls dafür, dass die Verdauung der Welpen angeregt wird.

Je älter die Welpen werden, desto weniger werden sie gestillt. Jetzt ernähren sie sich zusätzlich von dem ausgewürgten Futterbrei der Mutter. Damit das Hervorwürgen für die Mutter leichter ist, sind nun die Kleinen dran mit dem Ablecken. Sie schlecken mit ihren Zungen über den Mundwinkel der Mutter und sorgen so dafür, dass sie Hunger verspürt. Doch nicht nur das, sie drücken ihrer Mutter gegenüber auch Vertrautheit und Unterwürfigkeit aus.

Dieser natürliche Vorgang bleibt im gesamten Verlauf eines Hundelebens ein ganz wesentlicher Bestandteil für seine Kommunikation.

Innige Kommunikation auf Hundeart

Diese Art von Kommunikation überträgt sich jetzt nun auch auf die Beziehung zwischen uns und unseren Fellnasen. Die Vierbeiner wollen uns ihre Zuneigung und ihr Vertrauen ausdrücken und machen dies auf ihre ganz natürliche und für sie selbstverständliche Art und Weise. Und so leckt der Vierbeiner mit Hingabe über die Hände oder auch mal über das Gesicht des Halters und macht ihm mit dieser positiven Geste deutlich, wie wohl er sich fühlt und dass er den Menschen als seinen Rudelführer akzeptiert und schätzt.

Was das Abschlecken außerdem bedeuten kann ist eine Aufforderung zu etwas leckerem Futter oder einer ausgewogenen Streicheleinheit, ganz nach den Vorlieben des Vierbeiners. Was man daraus lernt ist, dass es völlig normal ist, wenn Euch Euer Fellfreund gerne leidenschaftlich abschleckt.

Hygienische Bedenken

So normal etwas auch ist, es muss nicht immer auch gut und förderlich sein. Wenn man mal darüber nachdenkt, wo die Hundezunge schon überall so war, ist es durchaus verständlich, dass sich einige dann doch etwas ekeln. Vor allem im Gesicht wird es dann eher etwas unangenehm. Auch im Hinblick auf kleine Kinder ist es normal, dass man das Abschlecken der Vierbeiner nicht immer freudig begrüßt, sondern eher etwas vorsichtig ist.

Bei gesunden und regelmäßig geimpften Hunden ist da Abschlecken in der Regel ungefährlich. Doch wie so vieles im Leben gibt es auch hier zwei Seiten und es besteht eben doch ein gewisses Restrisiko. Je nachdem woran unsere Vierbeiner beim täglichen Spaziergang so schnüffeln, können schädliche Keime durch Würmer oder andere Krankheitserreger übertragen werden. In dem Fall besteht dann eben doch ein Risiko für den Menschen. Besonders wenn dieser eventuell vorerkrankt oder geschwächt ist.

Untersagen ist unangemessen

Trotz des bestehenden Risikos ist es wahrscheinlich eher falsch den Vierbeinern dieses Verhalten zu verbieten. Das Abschlecken ist eine ureigene Form, welche der Kommunikation dient und den Hunden die Möglichkeit gibt, ihre Zuneigung und ihr Vertrauen auszudrücken. Das Verbot würde lediglich zu einer Verunsicherung der Fellnase führen. Als Alternative kann man ja versuchen, dem Hund beizubringen, dass er in Zukunft bitte nicht mehr das Gesicht ableckt, sondern nur die Hände. Diese können schnell gewaschen werden und so muss man unseren geliebten Vierbeinern ihren „Hundekuss“ nicht wegnehmen und am Ende sind beide Parteien glücklich und zufrieden.